Dienstag, 10. September 2013

TV: Wilfred U.S.


Am Morgen nach Ryans gescheitertem Selbstmordversuch klopft seine Nachbarin und heimliche Flamme Jenna an der Tür. Er soll für sie auf ihren Hund Wilfred aufpassen. Ryan ist verwirrt: Für ihn sieht Wilfred aus wie ein Mann im Hundekostüm. Doch er ist der einzige, der Wilfred auf diese Weise sieht und mit ihm sprechen kann.

Bei „Wilfred“ handelt es sich um eine echte Ausnahmeserie. Die Themen sind zumeist düster, so geht es unter anderem um Selbstmord, Wahnsinn, Drogenmissbrauch und Einsamkeit. Das macht das Format aber auch so herausragend, denn diese Probleme werden leichtfüßig angepackt, sodass man trotzdem beherzt lachen kann.
Der Humor ist an einigen Stellen schwarz, doch gibt es durch die Figur des Ryan immer wieder starke Schübe von Mitgefühl, weil er einem so nah erscheint. Dadurch wächst er einem schnell enorm ans Herz.
Durch die immer auf dem richtigen Grad wandernde Melancholie erreicht mich „Wilfred“ wie kaum eine andere Serie.

Der durchtriebene und egoistische Wilfred ist das genaue Gegenteil von Ryan. Die meiste Zeit treibt Wilfred mit seinem Freizeitherrchen Psychospielchen zur eigenen Belustigung oder aus unwichtigen Motiven. Dabei schreckt der kiffende Hund auch nicht vor Mord zurück. Durch ihn entstehen die verrücktesten Komplikationen, doch man hat nie das Gefühl, dass Wilfred von Grund auf böse sei. Denn durch sein Benehmen hilft er Ryan häufig sogar, seine emotionalen Probleme zu überwinden.
Es ist immer wieder überraschend und gleichzeitig erhellend, wie die zahlreichen Hundeeigenschaften auf Wilfred abgebildet werden. Der Pool ist scheinbar unerschöpflich: Hunde graben im Garten, sterben beim Verzehr von Schokolade, können gut riechen, hassen Katzen,… All diese Merkmale werden wunderbar fantasievoll verbildlicht.
Ein Beispiel: Wilfred ist depressiv und betrinkt sich deshalb vor Frust aus der Kloschüssel. Dabei taucht er immer wieder einen Bierkrug ins Klo, prustet Ryan zu und lallt Verschwörungstheorien über das Postamt.
Das Ganze lebt vom perfekt gespielten und geschriebenen Wilfred, der wie ein echter Hund unzählige Persönlichkeiten in sich vereint: Draufgänger, Beschützer, Macho, Psychopath, Feigling und noch viel mehr. Selbst sprachlich fällt Wilfred wunderbar auf; Mit einem australischen Akzent flucht er sich durch die gesamte Palette an Emotionen.

Nicht nur die Figur des Wilfred zeigt sich durchdacht, sondern auch die Gesamthandlung. Häufig schließen sich Ereignisse aus mehreren Folgen zu einer großen Veränderung zusammen. „Wilfred“ wirkt somit wie aus einem Guss.
Einziges Manko sind die vielen verstreuten Geheimnisse. Denn der Zuschauer erfährt nie, wer Wilfred wirklich ist und was es mit ihm auf sich hat. Zwar gibt es immer wieder Hinweise, diese führen aber ähnlich wie bei Lost nur zu noch größeren Rätseln. Dies macht die Serie zwar ungemein spannend, man bleibt aber auch immer etwas enttäuscht zurück. Und verlangt sofort nach mehr.

Jede Staffel umfasst leider nur schmale 13 Episoden, vergangene Woche flimmerte das Finale von Staffel 3 über die Bildschirme. Wieder ein Grund mehr, schon jetzt den nächsten Sommer herbeizusehnen.


10.0/10

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