Am Morgen nach Ryans gescheitertem
Selbstmordversuch klopft seine Nachbarin und heimliche Flamme Jenna an der Tür.
Er soll für sie auf ihren Hund Wilfred aufpassen. Ryan ist verwirrt: Für ihn
sieht Wilfred aus wie ein Mann im Hundekostüm. Doch er ist der einzige, der
Wilfred auf diese Weise sieht und mit ihm sprechen kann.
Bei „Wilfred“ handelt es sich um
eine echte Ausnahmeserie. Die Themen sind zumeist düster, so geht es unter
anderem um Selbstmord, Wahnsinn, Drogenmissbrauch und Einsamkeit. Das macht das
Format aber auch so herausragend, denn diese Probleme werden leichtfüßig
angepackt, sodass man trotzdem beherzt lachen kann.
Der Humor ist an einigen Stellen
schwarz, doch gibt es durch die Figur des Ryan immer wieder starke Schübe von
Mitgefühl, weil er einem so nah erscheint. Dadurch wächst er einem schnell
enorm ans Herz.
Durch die immer auf dem richtigen
Grad wandernde Melancholie erreicht mich „Wilfred“ wie kaum eine andere Serie.
Der durchtriebene und egoistische
Wilfred ist das genaue Gegenteil von Ryan. Die meiste Zeit treibt Wilfred mit
seinem Freizeitherrchen Psychospielchen zur eigenen Belustigung oder aus
unwichtigen Motiven. Dabei schreckt der kiffende Hund auch nicht vor Mord
zurück. Durch ihn entstehen die verrücktesten Komplikationen, doch man hat nie
das Gefühl, dass Wilfred von Grund auf böse sei. Denn durch sein Benehmen hilft
er Ryan häufig sogar, seine emotionalen Probleme zu überwinden.
Es ist immer wieder überraschend
und gleichzeitig erhellend, wie die zahlreichen Hundeeigenschaften auf Wilfred
abgebildet werden. Der Pool ist scheinbar unerschöpflich: Hunde graben im
Garten, sterben beim Verzehr von Schokolade, können gut riechen, hassen Katzen,…
All diese Merkmale werden wunderbar fantasievoll verbildlicht.
Ein Beispiel: Wilfred ist
depressiv und betrinkt sich deshalb vor Frust aus der Kloschüssel. Dabei taucht
er immer wieder einen Bierkrug ins Klo, prustet Ryan zu und lallt
Verschwörungstheorien über das Postamt.
Das Ganze lebt vom perfekt gespielten
und geschriebenen Wilfred, der wie ein echter Hund unzählige Persönlichkeiten
in sich vereint: Draufgänger, Beschützer, Macho, Psychopath, Feigling und noch
viel mehr. Selbst sprachlich fällt Wilfred wunderbar auf; Mit einem
australischen Akzent flucht er sich durch die gesamte Palette an Emotionen.
Nicht nur die Figur des Wilfred zeigt
sich durchdacht, sondern auch die Gesamthandlung. Häufig schließen sich Ereignisse
aus mehreren Folgen zu einer großen Veränderung zusammen. „Wilfred“ wirkt somit
wie aus einem Guss.
Einziges Manko sind die vielen
verstreuten Geheimnisse. Denn der Zuschauer erfährt nie, wer Wilfred wirklich
ist und was es mit ihm auf sich hat. Zwar gibt es immer wieder Hinweise, diese
führen aber ähnlich wie bei Lost nur zu noch größeren Rätseln. Dies macht die
Serie zwar ungemein spannend, man bleibt aber auch immer etwas enttäuscht
zurück. Und verlangt sofort nach mehr.
Jede Staffel umfasst leider nur
schmale 13 Episoden, vergangene Woche flimmerte das Finale von Staffel 3 über die
Bildschirme. Wieder ein Grund mehr, schon jetzt den nächsten Sommer
herbeizusehnen.
10.0/10

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